Was ist Trauma und wie entsteht es?
Ein „Trauma“ (griech. „Wunde“) beschreibt eine tiefgreifende psychische Verletzung. Im Rahmen des traumasensiblen Beziehungscoachings sind so genannte Bindungs- bzw. Entwicklungstraumata gemeint.
Diese Traumata entstehen in unserer frühen Kindheit durch kleine, sich wiederholende Ereignisse, die in Summe traumatisierend wirken. Traumata können sich zwar in jeder Lebensphase ereignen (z.B. der Verlust eines geliebten Menschen), jedoch haben Traumata, welche in den ersten sechs Lebensjahren entstehen, meist weitgreifendere Auswirkungen auf unser Leben. Das liegt daran, dass
- wir in dieser Phase unsere ersten Beziehungserfahrungen machen und sich so unser Bild von der Welt prägt
- wir als Kinder von unseren Eltern abhängig sind und uns somit an ihr Verhalten anpassen müssen.
Bei einigen, die doch eine „schöne Kindheit“ hatten oder selbst Eltern sind, wird diese Aussage vielleicht auf Widerstand stoßen. Das ist nur allzu verständlich. Aber bei der Aufarbeitung von Trauma geht es nicht um Schuldzuweisung, sondern vielmehr darum, zu verstehen, was damals gefehlt hat oder nicht da sein durfte.
Und ich verspreche dir: Näher hinzuschauen lohnt sich!
Beispiele für Ursachen von Bindungstrauma
- Du wurdest als Kind für bestimmte Gefühle abgelehnt (z.B. Wut, aber auch Freude kann "zu viel" gewesen sein)
- Deine Gefühle wurden klein geredet oder beschämt
- Du musstest Verantwortung übernehmen, die nicht altersgerecht war
- Liebe und Anerkennung gab es größtenteils nur für Leistung
- Du wurdest als Kind mit bestimmten Gefühlen allein gelassen
Welche Auswirkungen haben Traumata aus der Kindheit und wie können sie geheilt werden?
Auch wenn unsere Kindheit schon (lange) vorbei ist, wirken sich Traumata auf unser heutiges Leben aus. Dies kann sich in verschiedenen Aspekten in unserem Leben zeigen, allen voran unseren Beziehungen. Dabei leiden wir jedoch nicht an dem Trauma an sich, sondern vielmehr unter den Anpassungsstrategien, welche wir aufgrund des Traumas entwickelt haben.
Hatten wir beispielsweise Eltern, die uns hauptsächlich für gute Leistungen Aufmerksamkeit geschenkt haben, entwickeln wir vielleicht die Strategie, uns für Liebe anzustrengen zu müssen.
Dies hat auf einer unbewussten Ebene weitreichende Auswirkungen darauf, wie wir die Welt sehen oder was für uns in Beziehungen normal ist. Konkret kann das zufolge haben:
- dass wir bestimmte Situationen auf Grundlage unserer früheren Erfahrungen interpretieren (z.B. "Ich bin nicht liebenswert", wenn der Partner für eine Weile nicht antwortet)
- dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit unbewusst Partner anziehen, die die für uns bekannten Muster bedienen (z.B. Partner, die in ähnlicher Weise verfügbar sind wie unsere Eltern)
Auf diese Weise reinszenieren und bestätigen sich unsere Beziehungserfahrungen aus der Kindheit in unserem heutigen Leben. Gleichzeitig erleben wir unsere Anpassungsstrategien als leidvoll, da wir bestimmte Gefühle oder Bedürfnisse unterdrücken. Wir haben also das Gefühl, nie „als Ganzes“ in Beziehung gehen zu können.
Wie aber kommen wir raus aus dieser Reinszenierungsschleife?
Im Grunde genommen ist die Antwort ganz einfach: Mach das, was du die ganze Zeit zurückhältst. Jedoch weiß ich aus eigener leidlicher Erfahrung, dass dies im Alleingang kaum möglich ist. Denn zum einen haben wir uns unsere Anpassungsstrategien jahrelang eingeschliffen, sodass sie automatisch anspringen und uns selbst gar nicht bewusst sind. Zum anderen erscheinen die unterdrückten Gefühle als unaushaltbar, wenn wir sie ausleben würden. Um dies zu lösen bedarf es einen sicheren Raum und einen Menschen, der bleibt. Und genau hier setzt das traumasensible Coaching an.

Mögliche Folgen von Anpassungsstrategien
- Du fühlst dich innerlich leer oder wie "abgeschnitten" von deinen Gefühlen
- Du kannst nicht "Nein" sagen und fühlst dich fremdbestimmt
- Du hast Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen oder weißt nicht, was du wirklich willst
- Du erlebst permanent oder häufig innere Anspannung oder Druck
- Du neigst zu Verlustängsten und Eifersucht
- Häufig neigst du zu Selbstkritik und Selbstablehnung
- ...
Wie dir traumasensibles Coaching helfen kann
Die "Heilung" von Trauma besteht darin, unsere traumatischen Erfahrungen zu integrieren und zu lernen, anders mit dem Trauma umzugehen.
Um dafür die ideale Grundlage zu schaffen, werden im traumasensiblen Beziehungscoaching die dafür notwendigen Fähigkeiten Stück für Stück gefördert. Außerdem sammelst du neue Erfahrungen in Beziehung und lernst die Welt nicht nur durch eine Brille zu sehen.
Da jeder Mensch und die Geschichte dahinter individuell ist, geschieht der gesamte Prozess in deinem Tempo und wenn du für den nächsten Schritt bereit bist.
01 Erkennen & verstehen
Du entwickelst Verständnis dafür, wie du Beziehung und Kontakt gestaltest, was deine tiefen Überzeugungen über die Welt sind und welche Botschaften in deinen Gefühlen stecken.
02 Gefühle zulassen & halten
Du lernst, Zugang zu deinen unterdrückten Gefühlen zu finden, indem du mehr Kapazität für sie entwickelst. Dies ermöglicht die Verarbeitung dieser Gefühle und stellt den zentralen Dreh- und Angelpunkt des Coachings dar.
03 Selbstwirksamkeit fördern
Finde in die Zuversicht, schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft zu bewältigen.
04 Selbstakzeptanz entwickeln
Du lernst, das an dir zu akzeptieren, was du aktuell noch ablehnst und bekommst dadurch einen liebevolleren Blick auf dich selbst.
